Historisch bedeutsame Erlöserkirche in Annen wird saniert

Jul ’12
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19:00

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„Mein Prinzip ist die behutsame Instandsetzung!“
Historisch bedeutsame Erlöserkirche in Annen wird saniert / Vorerst letzter Gottesdienst am 8. Juli
Annen.

Dass sie von 1872 an gebaut werden konnte, ist vielen Menschen zu verdanken, denen diese Kirche am Herzen lag: Alteingesessene Bauern schenkten der Kirchengemeinde in Annen ein Grundstück, auf dem die heutige Erlöserkirche errichtet werden sollte. Betriebe und Gemeindegruppen stifteten Fenster und Teile der Innenausstattung. Alle, die konnten, leisteten schon immer einen Beitrag. Heute steht die Gemeinde wieder vor einer solchen Aufgabe – denn die alte Kirche, die dem romantischen Historismus zugeordnet wird, ist in die Jahre gekommen. „Seit 40 Jahren ist an dieser Kirche eigentlich nichts passiert“, fasst die Kunsthistorikerin Christel Darmstadt aus Bochum zusammen, und betont auch gleich das Positive an diesem Stillstand: „Über die Jahre hinweg ist wenig am Gebäude verändert worden, das lässt das Herz eines Historikers natürlich höher schlagen.“ 400.000 Euro für die wichtigsten Innenbau-Massnahmen sind veranschlagt – der erste grundlegende Bauabschnitt soll Anfang Dezember abgeschlossen sein, so dass der Weihnachts-Gottesdienst schon wieder in der Erlöserkirche stattfinden kann.

Schon seit 1995 gibt es Pläne, wie die in die Jahre gekommene Kirche saniert werden soll. Immer wieder saßen Generationen von Presbyterien über Plänen, holten Angebote ein und sprachen mit Handwerkern. Kosten von bis zu 1 Million Euro wurden der Gemeinde von verschiedenen Architekten prognostiziert. Pfarrer Claus Humbert schüttelt den Kopf bei der Erinnerung an solche Angebote: „Das ist eine illusorische Summe für die Kirchengemeinde, die sich erst im Herbst vom Gemeindehaus trennen musste, weil die Renovierung zu teuer war und der Kindergarten sonst nicht zeitgemäß hätte erweitert werden können.“
Ein Glücksfall in vielerlei Hinsicht war es daher, als im Dezember 2012 mit Dr. Christel Darmstadt eine Kunsthistorikerin ins Boot geholt werden konnte, die nicht nur über entsprechende Erfahrung verfügt („ich habe schon 14 Kirchen saniert“), sondern die auch über ein Herz für Witten hat (Titel ihrer Staatsarbeit „Historismus und Jugendstil in der Wittener Bürgerhausarchitektur“) . Und deren Pläne für die Erlöserkirche deutlich preisgünstiger sind: Mit etwa 400.000 Euro kann ein Großteil der Renovierungskosten für die wichtigsten Innenarbeiten finanziert werden.
Als erstes ist die Heizungsanlage dran – denn die Heizung fiel schon vor dem letzten Winter aus und muss dringend durch eine neue, umweltgerechte Anlage ersetzt werden.
Auch die schönen Glasfenster der Erlöserkirche fallen buchstäblich aus dem Rahmen – ihre Bleifassungen müssen erneuert und die Fenster gesichert werden. Hier hofft Pfarrer Humbert – wie schon in früheren Jahren – auf die Unterstützung der Annener: „Wir suchen dringend Spender.“ Um es möglichst konkret zu machen, ergänzt Christel Darmstadt: „Wir ermitteln derzeit die Sanierungskosten für jedes einzelne Fenster – und hoffen dann auf Patenschaften.“ Der Name des Spenders kommt dann ins Fenster – auch das hat eine Jahrhunderte lange Tradition.

„Mein Prinzip ist die behutsame Instandsetzung!“
Später sollen unter der Orgelempore durch Glasabtrennungen zwei Gemeinderäume entstehen – Räume, in denen sich Jung und Alt treffen können. „Bei diesen Planungen bin ich der Denkmalpflege sehr verbunden“, betont die Kunsthistorikerin Christel Darmstadt. „Solche Maßnahmen muss man sehr behutsam anlegen, damit auch die nachfolgenden Generationen das historische Gebäude erleben können.“ Daher werden die Glaselemente auf Schienen eingesetzt, die auch wieder zurückgebaut werden können, wenn der Bedarf nicht mehr besteht. Zu diesem Bereich gehört dann auch ein behindertengerechtes WC, das am rechten Eingang geplant ist.
Flexibilität ist das Zauberwort – Kirchräume müssen heute multifunktional sein und für unterschiedliche Veranstaltungen geeignet. Darum plant die Historikerin, einige der alten, teilweise maroden Kirchenbänke zu entfernen; andere werden restauriert und mittels Rollen mobil gemacht. Ebenso wie ein mobiler Altar, der je nach Gottesdienst für eine kleine oder eine große Gemeinde an der Längsseite oder im großen Altarraum zum Stehen kommt.
„Wer Interesse an einer der kleineren Bänke hat, kann sich gerne melden – für kleines Geld geben wir die ab“, betont Pfarrer Claus Humbert und schmunzelt: „Nicht ganz uneigennützig – denn so sparen wir auch noch die Entsorgungskosten.“
Am Sonntag, 8. Juli, findet der erst einmal letzte Gottesdienst in der Erlöserkirche statt – denn in der Woche danach wird die wertvolle Orgel unter den wachsamen Augen des Kantor Hans Wilfrid Richter „eingehaust“, also staubdicht verpackt. Von der Landeskirche liegt das ok vor, auch die untere Denkmalbehörde hat grünes Licht gegeben und die hat, so Christel Darmstadt, auch in Aussicht gestellt, dass die obere Denkmalbehörde in Münster diese Maßnahmen genehmigt. Als Spezialistin für Farben in der Architektur (Dissertation über „Farbige Fassungen für Bürgerhäuser des Historismus und des Jugendstils unter heutigen Aspekten“) freut sie sich besonders auf den Innenanstrich, den das düstere Kirchenschiff dringend nötig hat: „An fünf Stellen haben wir schon die ursprünglichen Farben freigelegt – nach der Restaurierung wird die Kirche heller und freundlicher.“

Am kommenden Montag, 2. Juli, findet ab 19 Uhr in der Erlöserkirche in Annen eine Informationsveranstaltung mit der Sanierungsbeauftragten Dr. Christel Darmstadt, Pfarrer Claus Humbert sowie dem Heizungsplaner Herrn Kannegießer statt. Interessierte Gemeindeglieder sind herzlich eingeladen, sich über das geplante Projekt zu informieren und mitzudiskutieren. Gute Anregungen sind immer willkommen.

Termine

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Gottesdienst


  • 09:30 Uhr
  • Erlöserkirche, Westfeldstraße 81
  • 11:00 Uhr
  • Friedenskirche, Ardeystraße 234

Gemeindebüro

  • Ardeystr 234
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